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Aenne Storm studierte Illustration und Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Hamburg und am staatlichen College of Communication in London. Nach dem Diplom folgten einige Jahre in Agenturen, zunächst als Designerin in Hamburg und Berlin, später als Art Direktorin in Bremen, die durch Designauszeichnungen wie dem red dot design award, dem iF communication design award und Nominierungen für den Designpreis Deutschland in guter Erinnerung geblieben sind. Jetzt arbeitet die Designerin selbstständig von Stuttgart aus für Kunden und Agenturen in ganz Deutschland.


Wann hast du das erste Mal gemerkt, dass Du Designerin werden möchtest?
Ich muss so 8 Jahre alt gewesen sein, da gestaltete ich mein erstes eigenes Briefpapier. Damals bemalte ich weiße DIN A4-Blätter und weiße Briefumschläge mit den gleichen Mustern.
Ich erinnere mich, wie fasziniert ich von der Tatsache war, dass am Ende alles zusammenpasste … meine Liebe zur gut durchdachten Gestaltung zeichnete sich schon sehr früh ab.

 

Das Angebot an kreativen Dienstleistern ist groß, wie unterscheidet sich Deine Arbeit von der anderer?
Es gibt eine Fülle von Leuten, die kreativ arbeiten. Man muss sich immer fragen, was dahinter steckt. Ich habe mein Handwerk noch erlernt. Als »echte« Designerin initiiere ich einen Designprozess, in dem es darum geht, die gestalterische Aufgabe bestmöglich zu lösen. Der Designprozess beginnt mit der Recherche und Analyse. Erst nachdem dabei die Kundenziele klar definiert wurden, wird gestaltet. Nach der Entwurfsphase und der Abstimmung, in der Ziele und Lösung verglichen werden, folgt die Produktion. Durch Erfahrung und mit viel Liebe und Geduld werden auch hier beste Ergebnisse erzielt. Das ist es.

 

Wo hast Du Dein Handwerk erlernt?
Ich habe in Hamburg und London studiert. Der Aufenthalt in England hat meine Sicht auf die Dinge wirklich bereichert, da die Engländer freier an kreative Projekte rangehen als wir Deutschen.
So entstehen oftmals neue Lösungen, kleine Revolutionen. Außerdem habe ich viel Erfahrung in der Praxis gesammelt und ein paar gute Jahre in renommierten Designagenturen erlebt.

 

Welche Erfahrung hast Du aus Deinen »Agentur-Jahren« mitgenommen?
Die Jahre als angestellte Designerin in diversen Design-Agenturen in Hamburg, Berlin, Bremen waren wichtig und haben mich in der Praxis ankommen lassen. Ich hatte Glück, weil ich immer Mentoren hatte, die mir zuflüsterten, worauf es ankommt. Auch die Zeit als Art Direktorin – dann selbst in der Rolle der Mentorin – war lehrreich.

 

Wie gut muss man als Designer mit der Technik umgehen können?
Die Welt ist komplex geworden, dreht sich immer schneller, wurde digitalisiert. Gerade als Designer muss man viele Techniken kennen und bis zu einem gewissen Grad auch beherrschen. Ich arbeite am Mac mit den üblichen Design-Programmen, Illustrationen zeichne ich häufig per Hand. Für komplexere, technische Umsetzungen buche ich Spezialisten dazu. Meine Leistung als Designerin umfasst aber viel mehr, als die technische Umsetzung. Es geht darum, Inhalte greifbar zu machen und die richtige Zielgruppe zu erreichen. Am Anfang steht das Verständnis für das Thema, darauf baue ich ein Konzept auf, das seine Visualisierung im Design findet. Das Design wird schließlich mit dem passenden Medium umgesetzt. Die Umsetzung ist also nur ein Teil der Leistung, die ich als Designerin biete. Davor steht immer der gedankliche Prozess.


Was inspiriert Dich?
Ich meide Designbücher, wenn ich mich inspirieren lassen möchte. Es soll ja kein zweiter Aufguss von etwas werden, das es schon gibt. Wirklich inspirierend finde ich die Natur. Was für ein großartiger Entwurf so eine Giraffe beispielsweise ist, mit diesem langen Hals, und dem gefleckten Muster. Kunst finde ich inspirierend, sie erinnert mich oft an Grundlagen und Ursprünge der Gestaltung. Auch Menschen sind sehr inspirierend, andere Städte, fremde Kulturen …

 

Was rätst Du jemandem, der das erste Mal einen Designer beauftragen möchte?
Ihren Kreativpartner sollten Sie sich gut aussuchen, denn die Zusammenarbeit erfordert Ehrlichkeit und Vertrauen. In den meisten Fällen ist es möglich, sich zunächst mit einem Designer oder einer Designerin zu treffen, um sich kennen zu lernen. Beim Erstgespräch stellen Sie fest, ob die Chemie stimmt.

 

Für welche Kunden arbeitest Du?
Für Kunden aus den verschiedensten Branchen und für Designagenturen als Teil des Kreativteams. Ich finde es spannend, mich in unterschiedliche Dienstleistungen und Produkte hinein zu denken. Meine Kunden haben eins gemeinsam — sie haben verstanden, dass sie nur gesehen werden, wenn sie einen Auftritt haben, der positiv auffällt. Deshalb setzen alle auf die Kraft guten Designs.


Was ist für Dich gutes Design?
Gutes Design ist die ideale Lösung für die vorher gestellte Aufgabe. Das ist ja der Unterschied zwischen Kunst, die nur für sich selbst existiert – l’art pour l’art – und Design, das einen kommunikativen Anspruch erfüllen muss. Durch gutes Design erreicht ein Unternehmen seine Kommunikationsziele. Ein grundlegendes Kommunikationsziel sollte immer das Verdeutlichen von Inhalten sein, damit der Kunde das Angebot des Unternehmens überhaupt versteht. Ein weiterführendes Ziel ist der Imageaufbau, damit der Kunde sich mit der Entscheidung für eine Unternehmensleistung oder ein Produkt wohl fühlt. Gutes Design schlägt erfolgreich die Brücke zwischen einem Unternehmen und seinem Kunde.

 

Wann entsteht gutes Design?
Gutes Design entsteht, wenn Aufgabenstellung und Ziel klar formuliert werden und Kunde und Designer sich partnerschaftlich im Designprozess begegnen, um das beste Ergebnis zu finden. Dabei müssen auch mutige Entscheidungen getroffen werden. Nur so entsteht gutes Design.

 

Warum sollte ein Unternehmen ein Interesse an einem guten Design haben?
Das äußere Erscheinungsbild eines Unternehmens, eines Produkts oder einer Dienstleistung ist immer der erste Eindruck, den ein Kunde bekommt. Ein gutes Design kann einen starken ersten Eindruck hinterlassen. Im besten Fall spricht das Angebot dann für sich selbst und bekommt eine unwiderstehliche Aura. Der Kunde will das Produkt einfach nur haben. Man kennt das von Apple-Produkten. Die Kunden im Apple-Laden reißen den Verkäufern die Produkte förmlich aus der Hand. Was kann einem Besseres passieren?

 

Gehört noch mehr zum Erfolgsrezept für einen starken Unternehmensauftritt oder ein gutes Produkt außer ein gutes Design?
Die einzige Chance, die der Mensch wirklich hat ist, authentisch zu sein.
Ich denke, für Unternehmen und Produkte gilt dasselbe.